Interview mit Rumo Wehrli

Veröffentlicht von wohnzimmerslam am

Rumo Wehrli – Fotografie: Stefan Klüter

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Rumo Wehrli ist als Schreiberling beziehungsweise Poetry Slammer und im Schauspiel aktiv. Außerdem gehört er zum Vorstand des Vereins „TINte Bühnenliteratur“ (www.buehnentinte.org). Unter @ravenfloy auf Instagram findet man gezeichnete/ gemalte Bilder von ihm. Zusammen mit Jonin Herzig bildet er das Slam-Team „Lorem Ipsum“.

Was fühlst du, wenn du anmoderiert wirst?

Ich bin immer wieder aufgeregt, hibbelig, irgendwo zwischen der Angst, alles falsch zu machen, und dem besten Gefühl der Welt. Aber das ist ja auch unter anderem ein Grund, warum wir das alle machen.

Was war deine coolste Anmoderation?

Schwer zu sagen. Ich habe oft eher das Gefühl, meine eigene Anmoderation fast zu verpassen, weil ich in meinem eigenen Kopfgewusel stecke, zum dritten Mal überprüfe, ob ich die richtige Seite in meinem Textbuch aufgeschlagen habe und mir überlege, was ich denn als Einleitung noch sagen könnte.
Aber zum ersten Mal bei einer Meisterschaft als Team „Lorem Ipsum“ angekündigt zu werden, von ein paar Küchentischideen mit Jonin Herzig bis auf die große Bühne – das war schon ziemlich cool.

Du bist vielseitig künstlerisch aktiv: von Poetry Slam übers Schauspiel bis hin zum Zeichnen. Was fasziniert dich an den einzelnen Künsten und hast du einen Favoriten darunter?

Ich bin ein ziemlich chaotischer Mensch und bin schnell fasziniert von neuen Dingen. Und so stürze ich mich auch von einem Medium ins nächste. Für mich ist das ein Ausgleich: Wenn ich schreibe, bin ich sehr im Kopf aktiv und bei den Worten, da genieße ich es umso mehr, mal wieder etwas Körperliches zu machen. Gerade studiere ich Schauspiel und nach einem langen Tag Bewegung zieht es mich wieder umso mehr zu Stift, Papier und Farben. Da einen Favoriten zu wählen, geht für mich gegen den Sinn der Sache.

Unter welchen Gegebenheiten fühlst du dich am kreativsten?

Unter Druck. Entweder habe ich ein Anliegen, das ich unbedingt irgendwie nach Außen bringen will, oder es ist ganz einfach eine zeitliche Deadline, bis wann etwas fertig sein muss. Das ist das Schöne an Poetry Slam: Jeder Auftritt ist ein klarer Termin, da brauche ich meine Texte und bis dahin müssen sie fertig sein. Ich bin sehr schlecht darin, mir selbst Struktur zu geben. Die besten Ideen kommen ohnehin dann, wenn definitiv keine Zeit dafür ist und rundherum ohnehin schon zu viel läuft.

In der Anthologie „Fantastische Queerwesen“ wurde ein Text von dir veröffentlicht. Wie fühlt es sich an, ein Buch aufzuschlagen und darin die eigenen Zeilen zu lesen?

Das kleine Kind in mir mit den vielen bunten Bücherregalen und großen Ideen, die man definitiv mal aufschreiben sollte, tanzt vor Freude. Es ist schon ein tolles Gefühl, den eigenen Text in einer so tollen Sammlung abgedruckt zu sehen. Ein Schritt näher dem persönlichen Bücherwurmtraum.

Nun ein paar „persönlichere“ Fragen:

Was hast du als Letztes fotografiert?

Mein Handyfeed besteht gerade ausschließlich aus Bildern der dreiwöchigen Babykatzen einer Freundin von mir. Sie zieht für die Tiernotrettung immer mal wieder welche mit der Flasche auf und ich durfte die Kleinen eine Nacht lang hüten. Sie sind alle nach „Harry Potter“-Figuren benannt, quietschen unglaublich niedlich und versuchen sich gerade daran, auf allen vier Pfoten zu stehen. Braucht es da noch weitere Erklärungen?

Wann hast du das letzte Mal so richtig laut gelacht?

Als eine der niedlichen Babykatzen sich dann vor Aufregung in meinem Bett erleichtert hat. Ich sollte den Rest des Interviews nur noch mit Katzen beantworten, das kommt gut. Wollt ihr Bilder?
[Wenn du uns welche zuschickst, wird sich unser Team wahrscheinlich beim nächsten Meeting auf nichts anderes konzentrieren. 😊]

Welcher Song bereitet dir Gänsehaut und warum?

„My Body Is a Cage“ von „Arcade Fire“. Hört einfach selbst rein, wenn ihr den Song noch nicht kennt. Das Lied verfolgt mich schon seit Jahren und taucht in den unterschiedlichsten Kontexten immer wieder auf.

Was hast du eigentlich gemacht, kurz bevor du angefangen hast, unsere Fragen zu beantworten?

Drei Stunden lang abgewaschen und Text gelernt für unser nächstes Vorspiel. Wir dürfen endlich mal wieder proben und spielen, das tut unglaublich gut. Auch ohne Publikum und mit Abstand, aber das hat mir auf die Dauer echt gefehlt. Das – und der Abwaschberg war so groß, dass die Besteckschublade komplett leer war.

Vor dir haben wir Paula interviewt. Folgende Frage hat sie uns für die nächste Person, die interviewt wird (in dem Fall du), vorgeschlagen: Was ist dein persönlicher Sinn des Lebens?

Hui, jetzt wird‘s deep. Ich bin versucht „42“ zu schreiben, aber der ist alt. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung und weiß auch nicht, ob alles einen Sinn braucht. Vielleicht eine gute Runde „Pen and Paper“ mit Sushi und Schwarztee?

Zum Abschluss:

Wenn du müsstest, wofür würdest du dich entscheiden: entweder nur noch stumm lesen können oder alles vorlesen müssen?

Stumm lesen und dann auswendig vortragen. Oder eine richtig krasse Karriere als Hörbuchsprecher hinhauen.

Was würdest du der Person, die nach dir interviewt wird, für eine Frage stellen (wir verraten nicht, wer das ist)?

Was für einen Film / eine Serie schaust du dir an, wenn mal wieder alles zu viel wird?

Was ist dein Lieblingsgegenstand in deinem Wohnzimmer?

Die zwei alten Kinosessel meines Mitbewohners, die ein gutes Drittel der acht Quadratmeter des Raumes einnehmen.

Was ist dein größter Traum im künstlerischen Bereich?

Langweilig aber: davon leben zu können. Das wäre unglaublich schön. Schreiben, malen, kreieren – als offen queerer Mensch auf der Bühne und vor der Kamera stehen zu können, ohne dass da irgendeine „Branche“ reinzureden hat.

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